Letter from the Editor
Saturday, March 8, 2025

Dear _____,

In case you still don’t receive those bloody invites to gallery opening dinners, just invite yourself. We’ve got you covered with the ultimate list of gallerists' favorite restaurants.

Also in this newsletter: Michel Wagenschütz on dean erdmann’s exhibition, 38, at Louche Ops, Berlin.

Happy spring,
PROVENCE

Lists

PROVENCE

Aguirre (Carla Fernández)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?

- Mexico City: Hugo, Av. Veracruz 38, Roma Norte, Mexico City
- New York: The Odeon, 145 W Broadway, New York, NY 10013

What is your favorite restaurant in the city?
- Mexico City: Ultramarinos deMar, Merida 21, Roma Norte, Mexico City
- New York: Marea, 240 Central Park S, New York, NY 10019

Gauli Zitter

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Ars Vinorum, Brussels (now defunct)
What is your favorite restaurant in the city?
Ars Vinorum, Brussels (now defunct)

Contemporary Fine Arts (Katharina Hajek)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
- Berlin: Paris Bar, Kantstraße 152, 10623 Berlin      
- Basel: Bodega zum Strauss, Barfüsserplatz 16, 4051 Basel
What is your favorite restaurant in the city?
- Berlin: Barra, Okerstraße 2, 12049 Berlin,   
- Basel: Not really inside the city of Basel, but a classic on the countryside: Gasthaus zum Hirschen, Neuweg 2, 79400 Egerten, DE

Misako & Rosen (Jeffrey Ian Rosen)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Otsuka Torichu, 2 Chome-13-5 Kitaotsuka, Toshima City, Tokyo 170-0004
What is your favorite restaurant in the city?
Otsuka Torichu, 2 Chome-13-5 Kitaotsuka, Toshima City, Tokyo 170-0004

Air de Paris (Florence Bonnnefous)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
- Le Printemps, 129 avenue Gaston Roussel, 93230 Romainville,
What is your favorite restaurant in the city?
Sauvage, 55 rue du Cherche-Midi, 75006 Paris

Fanta-MLN

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Trattoria Mirta, Piazza San Materno 12, Milano
What is your favorite restaurant in the city?
Nebbia, via Evangelista Torricelli 15, Milano

Sweetwater (Lucas Casso)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
- Wobs Spielcenter, Leipziger Strasse 58, 10117, Berlin
What is your favorite restaurant in the city?
Lamazère, Stuttgarter Pl. 18, 10627 Berlin

Galerie Neu (Alexander Schröder)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Pinci, Große Hamburger Str.42, 10178 Berlin
What is your favorite restaurant in the city?
Muret la Barba , Rosenthaler Strasse 61, 10119 Berlin

Trautwein Herleth

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
- Musashi, Kottbusser Damm 102, 10967 Berlin
What is your favorite restaurant in the city?
Sale e Tabacchi, Rudi-Dutschke-Straße 25,10969 Berlin

18, Murata (Fuyumi Murata)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Yoshidaya, Oi 4-3-1 Shinagawa Tokyo
What is your favorite restaurant in the city?
Yamunashi, Udagawacho 37-12 Shibuya Tokyo

Damien & The Love Guru (Priya Shetty)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Charivari for surprises, Rue de la Croix de Pierre 34, 1060 Brussels
What is your favorite restaurant in the city?
Le Pigeon Noir, Rue Geleytsbeek 2, 1180 Brussels

Edouard Montassut

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Abri Soba, 10 rue Saulnier, 75009 Paris
What is your favorite restaurant in the city?
Lao Siam, 49 rue de Belleville, 75019 Paris

Galerie Jocelyn Wolff

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
MEKONG KITCHEN at Paddock Paris Est
What is your favorite restaurant in the city?
Fugazi, 18 Rue Lacharrière, 75011 Paris

Galerie Isabella Bortolozzi (Isabella Bortolozzi)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Der goldene Hahn, Pücklerstraße 20, 10997 Berlin
What is your favorite restaurant in the city?
Julius, Gerichtstraße 31, 13347 Berlin

Christian Andersen

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Locale 21, Ny Østergade 21, 1101 Copenhagen
What is your favorite restaurant in the city?
Locale 21, Ny Østergade 21, 1101 Copenhagen

Triangolo (Ludovica Baldrighi)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
La Magiostra, Via Grado 11, Cremona
What is your favorite restaurant in the city?
Torrefazione Caffè Vittoria, Via Ferrabò 4, Cremona

Balice Hertling (Daniele Balice)

To which restaurant do you and your gallery team go to eat?
Ai Bento's, 71 rue des Gravilliers, 75003 Paris
What is your favorite restaurant in the city?
- Le Hangar, 12 Imp. Berthaud, 75003 Paris

Reviews

Michel Wagenschütz

38

Installationsansicht: dean erdmann, 38, Louche Ops, Berlin. Foto: Julian Blum.

In der Ausstellung 38 von dean erdmann in der Galerie Louche Ops empfangen mich im Flur eines Berliner Altbaus am Viktoria-Louise-Platz 6 zwei Abzüge analoger Schwarz-Weiß-Fotografien.

Darauf ein verlassener Arbeitsplatz, ein Schreibtisch, durchwühlte und geplünderte Regale. Papiere liegen verstreut auf dem Boden, Schranktüren stehen sperrangelweit offen. Was in den Regalen stand, liegt auf dem Parkett oder ist verschwunden. Es ist die Materialität der Bilder, ihre Körnung, die Kratzer auf der Bildfläche, die Kerben und Griffspuren an den Rändern, aber auch das abgebildete Mobiliar; die Drechselarbeiten an den Tischbeinen und am Rand der Tischplatte, die darauf hinweisen, dass es sich um eine historische Aufnahme Handelt.

Im Hintergrund des Bildes ist eine Garderobe zu sehen, an der vielleicht ein Jacket oder ein Mantel hängt, und davor, wie eine geisterhafte Präsenz, ein Schatten auf dem Negativ.
Die Bilder dokumentieren einen bestimmten Ort und ein konkretes Ereignis: den Schauplatz eines Verbrechens. In zwei Einstellungen festgehalten, wird die historische Realität des abgebildeten Ortes in den Kontext der Ausstellung eingebettet.

Es sind die Spuren des gewaltsamen Eindringens einer organisierten Gruppe von Studierenden und SA-Mitgliedern in das Institut für Sexualwissenschaft (1) in Berlin-Tiergarten am 6. Mai 1933, die in den Fotografien festgehalten sind.

Ein Großteil der entwendeten Bücher und Papiere wurde vier Tage später, am Abend des 10. Mai 1933, bei der Bücherverbrennung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes unwiederbringlich vernichtet.

Im Hauptraum der Ausstellung steht eine Konstruktion aus Holz, eher die Idee eines Regals, unvermittelt im Raum, leicht versetzt vor den beiden Altbaufenstern.

Zur Verfügung gestellt: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin.

Auf Glaseinsätzen sind 38 Objekte aus Glas angeordnet, in Gruppen, zu Paaren, aufeinander ruhend oder aneinander geschmiegt, auch an die Streben des Regals. Nur eines der Objekte liegt allein. Der Titel auf der Unterseite ist spiegelverkehrt durch den durchsichtigen Körper hindurch zu lesen: DIE PSYCHISCHE DINGWELT VON WILLHELM HAAS. Mein System von Dr. Gustav Jäger oder Die Frauenkleidung von Dr. C. H. Stratz ist auf anderen zu lesen.

38.
Eine Acht sind zwei Dreien, die sich anschauen, meinte einmal eine Kollegin.
Da ist der Wert, den sie benennt, aber auch der indirekte Verweis auf alle Zahlen, die in der Zahlenfolge davor und danach liegen. 38 in Glas gegossene Skulpturen, deren Vorbilder die von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft bewahrten Bücher aus dem zerstörten Institut für Sexualwissenschaft sind wie es im Ausstellungstext heißt.
Eine Bestandsaufnahme. Es könnten 37 oder 39 sein.
Das ist nicht der Fall. Hier ist der Titel konkret, präzise.

38 Mal hat jemand ein Buch in die Hand genommen, es als dem Institut zugehörig identifiziert, vielleicht durch einen Stempel oder eine Notiz auf den ersten Seiten, und beschlossen, es an die Magnus-Hirschfeld Gesellschaft zurückzugeben. Die Glasbücher markieren diese Entscheidung, sie sind ihres Inhalts entbunden, Gestalt gewordenes Gewissen.

Installationsansicht: dean erdmann, 38, Louche Ops, Berlin. Foto: Julian Blum.

Ein paar mögliche Motive für die Rückgabe der Bücher:

1. Schuldgefühle: Die Person könnte ein schlechtes Gewissen haben, weil sie weiß, dass das Buch jemand anderem gehört und nicht rechtmäßig erworben wurde.
2. Moralische Überzeugungen:
Manche Menschen haben starke ethische Prinzipien und wollen das Richtige tun, auch wenn sie zuvor einen Fehler gemacht haben.
3. Angst vor Konsequenzen: Die Person befürchtet, erwischt zu werden und möchte sich vor möglichen rechtlichen Konsequenzen schützen.
4. Wertschätzung des Inhalts: Wenn das Buch für die Person von persönlichem Wert ist, könnte sie es zurückgeben, um die Integrität des Werkes zu respektieren und es in der richtigen Umgebung zu wissen.
5. Einfluss Dritter: Freunde oder Familienangehörige können die Person zur Rückgabe ermutigen, was zu einem Sinneswandel führen kann.
6. Wunsch nach Wiedergutmachung: Die Person könnte das Bedürfnis verspüren, den Schaden, den sie angerichtet hat, wiedergutzumachen, und die Rückgabe des Buches als ersten Schritt sehen. 
7. Praktische Erwägungen: Die Person braucht das Buch vielleicht nicht mehr oder hat festgestellt, dass es einfacher ist, es zurückzugeben, als es zu behalten.

Installationsansicht: dean erdmann, 38, Louche Ops, Berlin. Foto: Julian Blum.

An dieser Stelle soll auf die amorphe Struktur von Glas hingewiesen werden. Glas wird oft als fester Stoff angesehen, hat aber einige Eigenschaften, die sich deutlich von anderen festen Stoffen unterscheiden. Obwohl Glas bei Raumtemperatur stabil ist, hat es. eine amorphe Struktur, keine regelmäßige Kristallstruktur, sprich die Anordnung der Atome im Glas sind nicht langfristig vorhersehbar oder berechenbar. Eine feste Flüssigkeit.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Glasherstellungsprozess selbst. Die dabei verwendeten anorganischen Stoffe wie Sand und Kalkstein verbrennen nicht, sondern schmelzen bei extremer Hitze. Diese Schmelze formt das Material um, ohne es zu zerstören.

dean erdmann hat schon in früheren Arbeiten Glas als Material verwendet, insbesondere in einer Auseinandersetzung mit der Droge Crystal Meth. In einem Interview beschreibt dean die Wirkungen der Droge wie folgt:

“Sie hat eine prothetische, mechanisierende Wirkung, die den Körper über seine physischen Möglichkeiten hinaus befähigt und gleichzeitig die emotionale und intellektuelle Sensibilität des Körpers für diese neue Selbsterfahrung stört.” (2)

Meine Anwesenheit im Ausstellungsraum und die Betrachtung der ausgestellten Objekte hatten auf mich den gegenteiligen Effekt: ein tieferes Bewusstsein für das Fehlen eines greifbaren Inhalts – eine Erfahrung des Unsichtbaren, der starken Präsenz eines Kontextes.

“Der Splitter in deinem Auge ist das beste Vergrößerungsglas.“ Eine Adorno-Aphorismus, auf den mich eine Kollegin hinweist, als wir uns durch meinen Text arbeiten.
In der Tat fließt Glas mit der Zeit, was dazu führt, dass alte Fenster manchmal unten dicker sind als oben. Diese langsame Bewegung ist jedoch so gering, dass wir sie mit bloßem Auge nicht bemerken.

Installationsansicht: dean erdmann, 38, Louche Ops, Berlin. Foto: Julian Blum.

Die 38 gegossenen Glasobjekte zerfließen also. Dieser Eindruck wird auch durch eingeschlossene Luftblasen, Verformungen der Einbände und Verwitterungsspuren verstärkt, die beim Scannen der Bücher photogrammetrisch erfasst wurden.
An dieser Stelle ließe sich auch ein Satz darüber verlieren, wie in der Photogrammetrie durch den Abgleich von Referenzpunkten in aus allen Winkeln aufgenommenen Bildern zunächst eine dreidimensionale Wolke aus scheinbar unzusammenhängenden Informationen entsteht. Erst in einem weiteren formgebenden Verfahren verbinden sich diese Informationspartikel zu einem Modell mit durchgehender Oberfläche, das dann gedruckt und abgeformt zur Herstellung einer Gussform dient.

Als Verfahren beschreibt die Photogrammetrie also auch eine Fragmentierung des Transformationsprozesses. Aber auch eine Bewegung, eine Annäherung an ein Objekt vor der Linse in vielen Einzelaufnahmen. Anders als im Film, der die einzelnen Bilder in der Zeit verbindet, stehen sie im Raum in Beziehung zueinander. Und wieder im Galerieraum fällt der Blick durch die Skizze eines Regals, auf dem die Verweise auf die Bücher des Instituts für Sexualwissenschaft wieder unmerklich in die Zeit übergehen, durch die großen Fenster hinaus auf den Viktoria-Luise-Platz.

Am Viktoria-Luise-Platz 6 hat auch der Lette-Verein seinen Sitz, der 1866 als Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts gegründet wurde.
Ein Berufsbildungszentrum im Bayerischen Viertel im Berliner Bezirk Schöneberg, am Ende der Motzstraße.

Eine gutbürgerliche, wohlhabende Gegend.

Und erst vor kurzem hat sich hier jemand freiwillig an einen Laternenpfahl fesseln und anpinkeln lassen. Vielleicht fällt mir noch etwas zu Nierensteinen als Denkmäler ein.

Zur Verfügung gestellt: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin.

(1) Das 1919 von Magnus Hirschfeld gegründete Institut für Sexualwissenschaft war ein damals einzigartiges Zentrum der Sexualaufklärung und eine wichtige Anlaufstelle nicht nur für Menschen mit einer von der gefühlten Norm abweichenden Sexualität oder Geschlechtsidentität. In einer Zeit, in der Identitäten tabuisiert und kriminalisiert wurden, bot das Institut nicht nur Forschung und politisches Engagement für die Rechte sexueller Minderheiten, sondern auch praktische Unterstützung. Es beriet in Fragen der sexuellen Gesundheit, einschließlich der Prävention und Behandlung von Geschlechtskrankheiten. Allerdings war auch Hirschfeld von den eugenischen Thesen seiner Zeit beeinflusst, so dass seine Arbeit von einem gewissen Biologismus geprägt war, der mit heutigen Vorstellungen von Geschlecht und Identität nur schwer vereinbar ist.

(2) https://bombmagazine.org/articles/2020/01/30/new-connections-dean-erdmann-interviewed/